Sonntag, 24. März 2013

Konsumkritik der "gebildeten" Bevölkerung

Heute hab ich mal einen kurzen Text für euch, den meine Mutter geschrieben hat.
Sie arbeitet wie ich im Weltladen und setzt sich daher viel mit fairem und nachhaltigem Konsum auseinander.

Dieser Text setzt sich mit dem Konsumverhalten der deutschen Bevölkerung auseinander und was für die "gebildete" Bevölkerung für wichtig erscheint. zumindest wäre das so meine grobe Zusammenfassung, aber lest selbst.
Ach, und das alles hat sich auch exakt so abgespielt.
Ich wünsche euch jetzt schonmal ein schönes Rest-Wochenende :)



Gestern war ich auf einem Geburtstag, wo sich – inmitten einer Gruppe „gebildeter“, studierter Schulfreundinnen- folgendes Gespräch abspielte:

-natürlich erst nach dem die neusten Einkäufe („guck´ mal das ist mein neuestes Tuch…Hier diese Ohrringe, sind sie nicht schön…Es war wirklich eine ganz interessante Modenschau, so völlig neue Kombinationsmöglichkeiten…- wo bin ich hier eigentlich???) gewürdigt und ausgiebig diskutiert worden waren…-

„Also, es gibt ja so viele ungesunde Lebensmittel in den Läden zu kaufen…so viele Kinder fahren da voll drauf ab und sind übergewichtig… Ich habe doch eine Regierung gewählt, das müssen die doch verbieten, dass so was beworben wird und auf den Markt kommt!

Die Leute denken doch, dass das gesund ist…(„zumindest ja die, die sooo viel ungebildeter sind als ich“) In Deutschland müsste das doch wohl möglich sein!“

(…nun in einem Teil von Deutschland war das ja tatsächlich vor gar nicht langer Zeit möglich, denke ich…Vergessen? Und richtig?)

Ich sage: „Hey, wir sind doch alles informierte, aufgeklärte und selbstverantwortliche Menschen und können selbst entscheiden, was wir kaufen!? Und wo bleibt die Demokratie, wenn Du nicht selbst entscheiden kannst? Die Regierung verbietet ja auch keinen Kakao und Kaffee, der von Kinderhand billig geerntet und zu Spottpreisen eingeführt wird…und Du weißt das und kaufst ihn trotzdem…alles eine Sache von Angebot und Nachfrage: Wer billig und unter Wert einkaufen will, nimmt damit in Kauf, das die Produzenten unter Wert bezahlt und behandelt werden…“

„Davon rede ich jetzt gar nicht (na klar)…aber die (armen) Menschen, die den ganzen Tag arbeiten müssen und nicht zu Hause sitzen können, um sich gesunde Gedanken über die Ernährung zu machen (irgendeine Vorstellung, was diese Menschen zu Hause noch alles so tun? Wofür sie sich engagieren, ohne dafür Geld zu bekommen…)  brauchen doch gesunde, schnelle („Junkfood – gesund?“) Alternativen… Und die sich das teure Selbstkochen nicht leisten können…“

„(Häh?)Teures Selbstkochen? Bisher ist es immer noch billiger mit einem Sack Kartoffeln, etwas frischem Gemüse und anderen natürlichen Zutaten, eine Familie satt zu bekommen als mit Fertigpizza oder -lasagne (mit oder ohne Pferdefleisch ;-))“

„…aber die Zeit?!“

„Also Kartoffeln kochen ca. 25 min – Fertigpizza braucht genauso lange und wie viel Zeit verbringst Du so vorm Fernseher, am Computer oder  (Achtung, wir sind hier schließlich in der Gesellschaft intellektueller Personen) vor Deinem Buch…Außerdem sind mir einige, nicht „so gebildete Leute“ (das „wie Du“ lasse ich lieber weg) bekannt, die neben ihren diversen Jobs (ja, es gibt Menschen in unserer Gesellschaft, die mehr als einen Job zum Leben brauchen…), noch Zeit und Gedanken genug haben, um bewusst einzukaufen und essen. Davon abgesehen sind  „die armen Menschen in unserer Gesellschaft“ nicht sooo unwissend, da schon zu Grundschulzeiten die Ernährungsinformation viel Platz im Unterricht einnimmt. Jedes Grundschulkind weiß, dass ein Apfel gesünder ist als ein Schokoriegel – trotzdem schmeckt Schokolade einfach lecker…“

“Aber trotzdem müssten doch diese ganzen ungesunden „zusammen gepappten“ Sachen verboten werden…“

„Dann müsste auch das Industriefleisch und die Agrarsubventionen (davon hat hier noch nie jemand was gehört) verboten werden“

„Ach hier bei uns geht es den Tieren doch gar nicht schlecht (nein!?), die sind in den modernen Ställen doch gut versorgt (klar, deshalb liegt Deutschland auch bei der Einhaltung der Tierschutzgesetze weit hinten auf der Länderliste..).

„Alles ein Ding von Angebot und Nachfrage… Sag´ ich ja…und schönreden kann man sich alles… Es liegt immer an Dir selbst etwas dagegen zu tun.“

„Tu ich ja“

„Ah und was außer Meckern?!“

„Meckern ist doch immerhin schon ein Anfang!“ (So!? Na, da bin ich gespannt, was noch kommt…)

Komisch.

Der Teller der Freundin hat sich nebenbei geleert…nur die Kochschinkenteilchen aus dem Salat liegen noch auf dem Teller: “Siehst Du! Habe ich doch gar nicht gegessen…“
Noch Fragen???




 

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